Leonid SverdlovArzt für Chirurgie
Endoskopisch assistierte schmerzfreie Steißbeinfistel-Operation
Was ist eine Steißbeinfistel?
Eine Steißbeinfistel (Pilonidalsinus) entsteht als Entzündung (Abszess) im Fettgewebe durch das Einwachsen / Eindringen von eigenen Haaren durch die Haut in der Gesäßfalte;
der Abszess hat keine Verbindung zum Enddarm oder zum Steißbein selbst. Ein oder mehrere Fistelgänge gehen aus der entzündlichen Höhle zur Hautoberfläche.
Solange die Gänge einen freien Abfluss vom Sekret ermöglichen, haben die Betroffenen kaum Beschwerden.
Beim narbigen Verschluss der Öffnungen kommt es zur Sekretstauung und zur akuten Entzündung mit Schmerzen, manchmal mit Fieber.
Ein kleiner chirurgischer Entlastungsschnitt wird dann angelegt, daraufhin bildet sich die Entzündung zurück.
Da die Haare als infektionsfördernde Fremdkörper in der Höhle verbleiben, kann die Wunde nicht heilen, es entsteht eine über mehrere Monate oder Jahre nässende Fistel.
Wie werden Steißbeinfisteln behandelt?
Üblicherweise wird die Fistel zusammen mit dem umliegendem Gewebe ausgeschnitten, bei den meisten Operationsverfahren wird auch die abdeckende Haut mitentfernt.
Die entstehenden breiten und tiefen Wunden sind ziemlich schmerzhaft, brauchen mehrere Monate für die Heilung. Entsprechend lang sind auch die Arbeitsunfähigkeitszeiten.
Worin besteht die endoskopisch assistierte Steißbeinfistel-Operation?
Wir entwickelten eine schonende Behandlungsmethode, die ähnlich den bekannten Schlüsselloch-Operationen an anderen Körperteilen gestaltet ist.
Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Zuerst wird der Fistelkanal, wie üblich, durch eine blaue Lösung eingefärbt.
Durch einen 2,5 cm kleinen Hautschnitt wird das Fistelgewebe mit speziellen Instrumenten großzügig ausgeräumt, die Haut wird allerdings nicht mitentfernt. Der entstehende, oft ziemlich große Hohlraum unter der Haut wird dann mit einer Endoskopie-Kamera inspiziert, durch die Vergrößerung können selbst die kleinsten Reste vom blau gefärbten Gewebe oder von Haaren sicher entdeckt und entfernt werden.
Nach dem Einführen einer dünnen Silikondrainage wird dann die Wunde verschlossen. Nun werden alle Eintrittstellen (Poren) mit speziellem Messer ausgestanzt, die dabei entstehenden ca. 4 mm kleinen Wunden werden auch vernäht. Am Ende des Eingriffs verbleibt also keine Wunde offen.
Die Fäden werden in ca. einer Woche nach der Entlassung entfernt. Sobald die Heilung in der Tiefe abgeschlossen ist, wird auch die Drainage gezogen.
Das Tragen (durchschnittlich vier Wochen lang) der dünnen und weichen Drainage bringt keine Unannehmlichkeiten, unsere Patienten sind ab den ersten Stunden nach dem Eingriff schmerzfrei und in wenigen Tagen nach der Entlassung wieder arbeitsfähig.
Wie lange dauert der Klinikaufenthalt?
Die Entlassung aus der Klinik erfolgt üblicherweise zwei Tage nach der Operation.
Patienten, die nicht aus Berlin kommen, können am Entlassungstag völlig unproblematisch mit jedem Verkehrsmittel nach Hause zurückkehren.
Bleiben die Patienten auch nach der Operation im Kontakt mit dem Chirurgen?
Alle Patienten melden sich noch am Entlassungstag, sobald sie wieder zu Hause sind, dann in ca. einwöchigen Abschnitten bis zur endgültigen Wundheilung.
Der Verlauf wird also vom operierenden Chirurgen ständig kontrolliert.
Was ist nach der erfolgten Steißbeinfisteloperation zu beachten?
Zur Vermeidung einer erneuten Fistelbildung empfehlen wir im Anschluss an die Behandlung das regelmäßige (ca. 1 x in der Woche) Rasieren der Steißbeinregion.
Eine ggf. erforderliche Gewichtsreduktion führt zur Druckminderung in der Gesäßfalte und erhöht somit die Chancen für den weiteren gesunden Verlauf.
Welche Kosten kommen auf mich zu?
Von den privaten Kassen werden sämtliche Behandlungskosten übernommen.
Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Krankenhauskosten von ca. 1200 Euro. Das ärztliche Honorar von 600 Euro muss vom Patienten privat getragen werden (das liegt nicht an der OP-Methode, sondern daran, dass der Chirurg kein Kassenarzt ist). Durch die erwähnte Nachsorge entstehen keine weiteren Kosten.